Vom Smartphone zum Smartglass – Emerell mischt mit

Die Interglass Technology AG produziert Brillengläser nicht nur besonders schnell und ressourcenschonend, sondern auch mit einem völlig neuen Verfahren. Lutz Körner, Leiter Technik, erklärt im Interview, warum das Zuger Unternehmen derzeit mit Hochdruck an der Brille der Zukunft arbeitet – und welche Rolle Emerell dabei spielt.


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Norbert Bazelli führte das Interview mit Herr Dr. Lutz Körner.

Die Interglass Technology AG ist ein führendes ­Unternehmen im Bereich der Brillenglas-Gusstechnologie. Wie kam es dazu? 

Die Interglass Technology AG wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, den Herstellprozess von Kunststoff-Brillengläsern zu revolutionieren. Das ist uns dank langjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit gelungen. Im Gegensatz zu unseren Konkurrenten sind wir in der Lage, korrigierte Brillengläser und insbesondere auch Gleitsicht­gläser unter Verwendung eines UV-härtbaren Kunststoffs direkt nach Kundenrezept zu giessen. 

Das klingt anspruchsvoll, aber auch sehr effizient.

Genau das ist es auch. In der konventionellen Herstellung von korrigierten Brillengläsern werden grössere Kunststoffblöcke – sogenannte «Blanks» – über mehrere Stunden thermisch gehärtet, gefräst und poliert. Bei diesem aufwändigen, mehrstufigen Prozess fällt ein Grossteil des Materials als Abfall an. Ganz anders bei uns: Dank unserer Technologie lassen sich qualitativ hochwertige Kunststoffgläser schneller, günstiger und ressourcenschonender produzieren. 

Welche konkreten Vorteile bringt Ihr Produktionsverfahren mit sich?

Mit unserer Technologie giessen wir das Korrek­turglas in die Endform. Dadurch benötigen wir im Vergleich zum üblichen Herstellverfahren deutlich weniger Material und nur einen Bruchteil der Energie. Herkömmlich wird ein Brillenglas in zirka 50 Stunden bei Temperaturen über 100 Grad gehärtet – wir benötigen dafür gerade mal 10 Sekunden. Da wir die Brillengläser giessen und nicht schleifen, benötigen wir zudem kein Wasser im Produktionsprozess. Nebst der nachhaltigen Produktionsweise überzeugt die von uns entwickelte Technologie auch durch hohe Qualität.

In welchen Märkten sind Sie tätig? 

Einerseits liefern wir unsere Produkte an Optiker, andererseits sind wir daran, unser eigenes Vertriebsnetz aufzubauen.
Unsere Premium-Brillengläser sind für Kunden mit gehobenen Ansprüchen, die nicht bei der Wahl einer edlen Fassung enden. Wir möchten unseren Kunden mehr bieten – und das tun wir auch. Unser Fokus liegt bei den spannenden und völlig neuen Anwendungen, die sich dem Brillenträger durch unser Herstellungsverfahren bieten. 

Das klingt spannend. Um was für eine Technologie handelt es sich dabei?

Das Stichwort heisst «Fusion Technology». Diese einzigartige Technologie ermöglicht es, ­Elemente jeglicher Art in unsere Brillengläser ­einzufügen. Das können zum Beispiel Diamanten, Goldplatten oder Logos sein – aber auch polari­sierende Folien. Die Elemente haben dabei entweder einen ­dekorativen oder funktionalen Zweck. 

Was meinen Sie mit «funktionalem Zweck»? ­Können Sie uns die Möglichkeiten der Fusion Technology etwas näher erläutern?

Dank der Fusion Technology kann der Brillenträger seine Brille in Zukunft für völlig neue Anwendungen der Informationsübertragung nutzen, für die heute noch externe Displays verwendet werden. So wird die Brille in Zukunft zum Beispiel als Navigationsgerät, als Übersetzungs-Tool oder als Mini-Spielkonsole dienen. Solche Anwendungen sind heute bereits unter dem Begriff Augmented Reality (AR) bekannt. Die Technologie eröffnet bahnbrechende Möglichkeiten für verschiedene Märkte und bietet zweifellos ein grosses Potenzial für die Zukunft.

Wird dieser Markt nicht bereits durch andere ­Anbieter wie z.B. Google abgedeckt?

Grundsätzlich ja. Heutige Modelle von AR-­Brillen – dazu gehört auch Google Glass – erfüllen die Anforderungen eines alltagstauglichen Formfaktors jedoch nur sehr bedingt. Trägt jemand eine Google-Brille, ist er damit schon von weither zu erkennen. Und das ist wohl auch der Grund dafür, weshalb sich solche Brillen bei der breiten Bevölkerung bislang nicht durchsetzen konnten. Wir gehen deshalb einen anderen Weg.

Wie sieht dieser aus?

Mit unserem Verfahren können beispielsweise Hologramm-Folien oder andere optische Elemente je nach Anwendung unsichtbar ins Brillenglas eingegossen werden. Dabei werden funktionale Folien in die Gussform für das Brillenglas eingesetzt, fixiert und dann in einem Prozessschritt komplett von allen Seiten mit unserem neu entwickelten, UV-härtbaren Kunststoff umgossen. Weil die funktionale Folie komplett in der korrigierten Linse integriert wird, bleibt sie gänzlich vor äusseren Einflüssen geschützt und ist unsichtbar.

Beeindruckend! Und welche Rolle spielt nun ­Emerell bei dem Herstellungsprozess?

Die UV-härtbare Monomermischung, aus der die Kunststoffbrillenglässer mit integrierten funk­tionalen Folien hergestellt werden, stellt in dem Produktionsprozess eine der wichtigsten Ressourcen dar. Umso wichtiger ist es, dass wir für die Herstellung dieser Mischung einen verlässlichen Partner gefunden haben, der sich in der Herstellung von massgeschneiderten Produkten nach Kundenrezeptur auskennt und insbesondere die hohen optischen Qualitätskriterien der kunden­spezifischen Kunstharzmischungen erfüllen kann. Und genau das ist Emerell für uns.

Was hat Sie bei der Wahl des Partners Emerell sonst noch überzeugt?

An der Zusammenarbeit mit Emerell schätzen wir nicht nur die sehr hohen Qualitätsstandards sowie die saubere und gewissenhafte Arbeitsweise, sondern insbesondere auch die Bereitschaft, flexibel und schnell auf spezielle Kundenwünsche und Anforderungen einzugehen. Dieses kundenorientierte Verhalten von Emerell ist für uns essentiell.

Können Sie uns einige Beispiele für dieses ­«kundenorientierte Verhalten» nennen? 

Unsere UV-härtbare Monomermischung ist sehr lichtempfindlich. Aus diesem Grund ist es für uns sehr wichtig, dass die Produktion in UV-­geschützten Räumen abläuft – und auch da ist Emerell auf unsere Anforderungen eingegangen. Dieses Beispiel zeigt, dass das Unternehmen mit grosser Sorgfalt auf unsere Kundenwünsche ­eingeht. Wir hatten deshalb von Anfang an ein gutes Gefühl bei Emerell. Die Mitarbeitenden ­verstehen unsere Bedürfnisse und sprechen die gleiche Sprache wie wir. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich auch die ­geographische Nähe.

Kommen wir noch einmal zurück zu den Smartglasses, welche Bilder und weitere Informationen auf unsere Augen projizieren. Könnte es sein, dass diese Brillen dereinst das Smartphone ersetzen? 

Die Entwicklung wird in diese Richtung gehen. Smartglasses haben zweifellos das Potenzial, Smartphones zumindest teilweise zu ersetzen. Bis es soweit ist, gibt es aber noch einige technische sowie rechtliche Hürden zu überwinden. Klar ist aber: Das Interesse an dieser Technologie ist riesig – schliesslich werden sich dadurch völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Smartglasses in unserem Alltag durchsetzen werden.

 

Kategorien

Technische Chemie

Ihr Autor

Norbert Bazelli

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